Dialog

Seit jener Zeit konzentriert Gülen seine Bemühungen darauf, einen Dialog zwischen einzelnen Gruppen herzustellen, die unterschiedliche Ideologien, Kulturen, Religionen und Nationen repräsentieren. Er nahm an zahlreichen Tagungen und Konferenzen teil, in denen es darum ging, die Menschheit auf ein Jahrhundert der Toleranz und des Verständnisses vorzubereiten - auf ein Jahrhundert, in dem die Kulturen miteinander kooperieren und die Bindungen unter den Menschen immer stärker werden. Fethullah Gülen meint, dass die Menschen unabhängig von allen nationalen und politischen Grenzen viel mehr Gemeinsamkeiten haben, als sie denken.
Demzufolge hält Gülen es für lohnend und gleichzeitig auch für notwendig, einen aufrichtigen Dialog zu etablieren, in dessen Rahmen sich die Menschen gegenseitig besser kennen lernen. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran und gründete die ,Stiftung der Journalisten und Schriftsteller', deren Aktivitäten zur Förderung von Dialog und Toleranz in der Gesellschaft bei fast allen gesellschaftlichen Schichten großen Anklang fand.
Aus derselben Motivation heraus empfängt Fethullah Gülen führende Persönlichkeiten aus aller Welt und stattet ihnen Gegenbesuche ab. In der Türkei gehören der Botschafter des Vatikans, der griechisch-orthodoxe Patriarch, der Patriarch der armenischen Gemeinde, der Oberste Rabbiner der jüdischen Gemeinde und viele Journalisten, Kolumnisten, Fernseh- und Kinostars und Denker verschiedener intellektueller Richtungen zu den Menschen, mit denen Gülen regelmäßig zusammentrifft. Gülen traf Papst Johannes Paul II., John O'Connor, den Erzbischof von New York, Dale F. Eickelman, einen amerikanischen Professor für Anthropologie, Professor Sidney Griffith von der Katholischen Kirche in den USA, Leon Levy, den früheren Präsidenten der Antidefamationsliga, und viele weitere führende Repräsentanten anderer Religionen.
Bei seinem Treffen mit Papst Johannes Paul II. im Vatikan (1998) unterbreitete Gülen dem Papst eine Reihe von Vorschlägen für erste Schritte hin zur Beendigung des Konflikts im Nahen Osten, in jener Region also, in der alle drei großen Religionen ihre Wurzeln haben. Er rief den Papst zur Zusammenarbeit auf und unterstrich die Tatsache, dass Wissenschaft und Religion in Wirklichkeit zwei unterschiedliche Aspekte einer einzigen Wahrheit sind:

„Zu verschiedenen Zeiten hat die Menschheit die Religion im Namen der Wissenschaft verleugnet, dann wieder die Wissenschaft im Namen der Religion. Dabei wurde stets behauptet, diese beiden Weltsichten seien nicht miteinander vereinbar. Wenn aber doch alles Wissen Gott gehört und die Religion von Gott gestiftet wurde, wie können Wissenschaft und Religion einander dann widersprechen? In diesem Punkt können unsere gemeinsamen Bemühungen zur Etablierung eines interreligiösen Dialogs viel dazu beitragen, für Verständnis und mehr Toleranz unter den Menschen zu sorgen.“